Sonntag, 7. April 2013

Shopping als Verführung?


Wieso eigentlich zum Shoppen verführt? Der Titel dieses Blogs kann eigentlich auch nur so dahingerotzt sein, anstatt ihm eine plakative und programmatische Bedeutung zu unterstellen. So wie ich es jetzt mache.

Je länger ich im Verkauf zu tun habe (schon ziemlich lange) und je mehr ich das Zusammenspiel zwischen den Geschlechtern begreife (bei weitem nicht so lange), umso deutlicher erscheinen mir die Parallelen in beiden Bereichen. In jedem Fall geht es darum, sein Gegenüber mit Charme und Fakten, von den Vorzügen eines Produktes, einer Dienstleistung oder eben von sich selbst zu überzeugen. Dies geschieht mit dem klaren Ziel, selbiges am besten gleich - buchstäblich - an den Mann oder eher noch an die Frau zu bringen. Möglich dass die andere Seite genau das entsprechende Defizit verspürt und selbst wenn nicht, bringt der Verführer, pardon Promoter, die Kommunikation dahin.

Klischee und Doku-Soaps legen es uns nahe: Shopping ist eher Hobby, Frustabbau, soziales Networking und vieles mehr, anstatt nur schnöde Beschaffung. Vielleicht ist es sogar der entbehrlichste Teil des ganzen Prozesses, wenn man merkt, dass neue Klamotten bis zur nächsten Altkleidersammlung in den Schrank verbannt werden, teurer Schmuck für die Erben im Bankschließfach deponiert wird oder wie bei einer Versicherung, regelmäßig ein bestimmter Betrag überwiesen wird, für das abstrakte Versprechen, in bestimmten Situationen Geld zu erhalten.
Das, was ganz offensichtlich zählt, ist der Spaß an der Sache und deshalb kommen nicht wenige, zu einem Paar Schuhe genauso wie zu einem neuen (oder zusätzlichen) Lebensabschnittsgefährten. Die Vermutung, dass die entwickelte, kapitalistische Gesellschaft Ihren Anteil dazu beiträgt, das Rad des Konsumierens in Bewegung zu halten, ist nicht ganz von der Hand zu weisen.

Aber zurück zum Thema. Es ist egal, ob ich einen anderen Menschen am Verkaufstresen oder in einer Bar begegne. Allein die Tatsache, dass wir uns hier treffen, erleichtert mir den ersten Schritt und die kommende Bedürfnisabfrage. Warum sonst sehen wir uns hier, wenn mein Gegenüber nicht unter seinem alten Röhrenfernseher oder der Einsamkeit seines Plattenbau-Appartements leidet? Und genau wie der verständnisvolle Typ, der sich geduldig die Auswirkungen einer festgefahrenen Beziehungen anhört - oder besser noch: sie suggeriert und sie zurück spiegelt - schlägt ein Verkäufer und Promoter danach in die Kerbe, um gleichzeitig die ideale Lösung zu präsentieren.
Was da abläuft ist ein Spiel, ein Sport, ein Ringen um Argumente dafür und dagegen, um Abwehr gegen Einwände, Skrupel und Zweifel bis hin zum Finale, wenn der "Gegner" auf der Matratze liegt, mit der Geldbörse in der Hand um Gnade bettelt bzw sich dem versprochenen Genuss einer aufregenden Nacht oder eines neuen Mobiltelefons hingibt.

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