Schönes Wochenende
Allgemein dürfen wir uns vermutlich glücklich schätzen, in einem Land zu leben, in dem die persönlichen Freiheiten soweit reichen, sich auch weit nach Einbruch der Dunkelheit oder am späten Samstag Nachmittag noch einen neuen Toaster kaufen zu können. Wahrscheinlich beneiden uns sogar viele darum, sich mit spontanen Kaufideen nicht lange herumschlagen zu müssen, sondern selbigen einfach nachgeben zu können. Vermutlich haben wir damit den Gipfel der Zivilisation erreicht.
Auf die Gefahr hin, mich jetzt wie ein bartstreichelnder Frührentner anzuhören: ja, es gab eine Zeit (und die liegt gar nicht so weit zurück), als man alle seine Konsumwünsche auf eine Handvoll Vormittags- und Nachmittagsstunden konzentrieren musste.
Meine ersten Promotioneinsätze Mitte der Neunziger dauerten Wochentags bis 18 oder 19 Uhr und an langen Donnerstag konnte auch mal bis 21 Uhr offen sein. Die in einigen Gegenden übliche Mittagspause im Einzelhandel über gut zwei Stunden soll es - gerüchteweise - auf dem Land noch vereinzelt geben. Der Sonnabend war verkaufsoffen, aber wenn der Laden 13 Uhr (vielleicht auch mal 14 Uhr) die Türen schloss, hatte man noch Gelegenheit, gemeinsam mit der Familie spät Mittag zu essen bzw den Tag noch anderweitig zu nutzen.
In dem Wahn, kontinuierlich Um- und Absatz zu steigern, müssen Handel und Industrie irgendwann auf die Idee gekommen sein, dass längere Öffnungszeiten den Verkauf steigern. Aber ist das richtig?
Einen Fernseher kaufe ich weil ich einen brauche und wenn ich 19 Uhr keinen bekomme, mangels offener Geschäfte, dann kaufe ich eben einen am nächsten Tag, entsprechend früher. Es wäre interessant, dass tatsächlich mal mit Zahlen zu belegen. Meiner subjektiven Einschätzung nach, kommt der Verkauf in den großen Elektromärkten kurz nach der Mittagszeit zum Erliegen. Ab dann handelt es sich nur noch um Spaziergänger, Fachsimpler, Reklamateure und Konsum-Irrläufer.
Unter der Woche sieht es etwas anders aus, weil viele eben doch lange arbeiten und nach Feierabend zuschlagen wollen. Stattdessen findet der Leerlauf dafür von früh bis mittag statt.
Im Prinzip ist es doch völlig egal, wann man einkauft. Momentan wird quer über den Tag und das Wochenende geshoppt, weil es "Lange Nacht des Shoppens", verkaufsoffene Samstage und ähnliches, es möglich machen. Wäre früher zu, fände der Einkauf früher statt. Niemand verzichtet auf die Bedürfnisbefriedigung, weil momentan das Geschäft geschlossen ist. Mit Online- bzw Versandhändler bin ich kaum besser dran, denn nur weil ich meine Bestellung auch noch nach dem Nachtjournal aufgeben kann, landet die Ware trotzdem erst später in meinen Händen.
Den Preis dafür zahlen wir an anderer Stelle. Mindestens zehn Stunden am Tag geöffnet zu haben, bedeutet nicht nur mehr Personal in Umlauf zu haben, sondern auch die gesamte Infrastruktur des Handels entsprechend lange, buchstäblich "unter Strom" zu stellen. Bei Klimaanlagen und mehreren Quadratmetern Flachbildschirm die ununterbrochen laufen, kommt da einiges an Energie zusammen.
Im Umfeld der Einkaufscenter bündelt sich der Mitarbeiter- und Publikumsverkehr noch ein paar Stunden länger. Anwohner sind genervt.
Wer nach einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause kommt und weiß er kann noch bis Mitternacht einen Sack Kartoffeln kaufen, wird seinen Feierabend auch erst dann genießen können, wenn das erledigt ist. Was leidet ist die Lebensqualität von allen Beteiligten: Kunden, Verkäufern, Nachbarn, Lieferanten, usw.
Was hat das mit der Promo zu tun?
Die meisten Einsätze haben klare Vorgaben: Anzahl der Tage, bestimmte Wochentage, Beginn und Ende der Aktion sind klar vorgegeben. Der Einfachheit halber hält man sich an die Öffnungszeiten der Geschäft. Der Promoter ist für einen Tag gebucht, dann bleibt er auch einen Tag im Laden, egal ob was los ist oder nicht. Ganz nebenbei unterfüttert man damit jedoch den Teufelskreis. Der Verkäufer sagt sich, der Promoter bleibt bis 20.00 Uhr, dann mach ich auch so lange auf, weil ich ja von der Anwesenheit profitiere und der Kunde sieht, dass auch noch spätabends Action ist und bekommt die Bestätigung für sein Spät-Schlendern durch den Markt. Doch verkauft wird in der Regel nichts. Im besten Fall lassen sich anstehende Kaufsentscheidungen positiv beeinflussen und der Kunde weiß dann, welche Marke er dann nachts beim Onlinehändler bestellen muss, weil er ja Beratung und Haptik kurz vorher noch abgreifen konnte.
Bedenkt man, dass es dem Auftraggeber vor allem darum geht, den Verkauf seiner Produkte zu steigern, dürfte ihm die Arbeitszeit eigentlich gleichgültig sein, solange das Ergebnis stimmt. Aber woher weiß man das vorher? Wenn überhaupt durch Erfahrungen, die man zuvor schon in diesem Outlet gemacht hat.
Auch wenn es nur ein schwacher Trost ist, aber es hat auch seinen Vorteil schon früh da zu sein; gerade dort wo normalerweise Promoter mehrerer konkurriender Firmen anzutreffen sind: ein freies Aktionsfeld! Kein Stress im "Kampf um den Kunden", keine angebotenen Alternativen, sondern volle und vor allem, alleinige Konzentration auf den einigen bzw die paar Kunden, die dann doch stationär und gut beraten einkaufen wollen.